Barbara Krauß, geboren 1961 in Speyer, aufgewachsen in Dudenhofen. Hatte bis 1996 mit Geflügel nichts am Hut. Inzwischen: begeisterte Brieftaubenzüchterin. Wenn sie nicht gerade ein Brettspiel erfindet, ein Buch mit Brieftaubengeschichten herausgibt, Tauben und Hühner versorgt, im Garten werkelt oder journalistisch unterwegs ist, arbeitet Barbara Krauß an ihrer Literatur: Romane und Kurzgeschichten (ohne Tauben). Heute hat sie sich Zeit genommen, um exklusiv für ebookgemein.de einige Fragen zu beantworten.
Ebookgemein.de:
Aufmerksam geworden bin ich auf Sie aufgrund der Meldung, Ihren Roman „Vincent. Stationen eines Abschieds“ gäbe es nun auch als eBook. So weit so gut. Dann wurden Sie ein Mitglied unserer Community und ich das Glück hatte, Ihr Werk lesen zu dürfen. Mein Fazit fiel durchweg positiv aus.
Den Roman veröffentlichten Sie erstmals 2005 im DeKi-Verlag Herxheim, gewannen jedoch schon 1997 dafür den Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz. Seit 2011 verkaufen Sie eine Neuauflage des Romans als eBook. Warum wurde das Buch damals so spät veröffentlicht und weshalb entschieden Sie sich jetzt für eine Neuauflage als eBook?
Barbara Krauß:
Die Idee zu diesem Buch hatte ich 1997 plötzlich im Kopf und habe die Geschichte wie im Rausch heruntergetippt – noch unkorrigiert, wie man das so macht, wenn man eine gute Story festhalten möchte. Dann bin ich auf den Martha-Saalfeld-Förderpreis gestoßen, der ja ausdrücklich für solche „Werkstattarbeiten“ (neudeutsch: works in progress) ins Leben gerufen wurde, habe mich mit einem längeren Textauszug beworben, und gewonnen. Ich dachte, das Buch wäre anschließend innerhalb eines Jahres fertig, doch weil andere Arbeiten bei mir Vorrang hatten, hat es ein paar Jahre gedauert.
2004 habe ich das Manuskript einzig und allein Detlef Kirschnick von DeKi angeboten, und der hat es genommen:
Ich hatte damals, nach 20 Jahren Schreiben und einer „Ochsentour“ durch sämtliche großen Verlagshäuser, nach unzähligen Lektoratskonferenzen, die sich mit meinen Büchern beschäftigt haben, viel, viel Lob („Das ist ja ein ganz neuer Ton!“, „Ich konnte nicht aufhören, ich musste das fertiglesen!“, etc. etc.), am Ende aber dann doch Absagen, einfach keine Lust mehr, es nochmal bei „Hanser und Co“ zu versuchen – deshalb DeKi. Leider hat der kleine Verlag inzwischen dichtgemacht.
Natürlich hätte ich mein Buch nun als Taschenbuch im eigenen Krauß Verlag veröffentlichen können. Das eBook sehe ich aber als ganz neue, große Chance, Texte auch überregional, teilweise international, anzubieten und zu verkaufen. Es ist ein neuer, spannender Weg, und den gehe ich jetzt einfach einmal ein Stück mit.
Ebookgemein.de:
„Vincent. Stationen eines Abschieds“ ist eine Story, die man so nicht erwartet. Ohne zu viel zu verraten - war die Story in Ihrem Kopf schon fertig, bevor Sie sie auf Papier brachten, oder entwickelte sich alles während des Schreibens?
Barbara Krauß:
Ich wusste zu Beginn ganz genau, welche Geschichte ich erzählen will: die Geschichte einer jungen Frau, die zwei ganz unterschiedliche Leben führt: Das einer Büroangestellten in ihrem zentralbeheizten Alltag und das einer Bäuerin auf einem einsamen Berghof. Während des Schreibens entwickelt haben sich dann die Bilder, das „Kino im Kopf“.
Im Kleinen habe ich von Mitte bis Ende der 90er Jahre ein ähnliches Leben geführt: Morgens raus in die Natur, mit der Sense Futter mähen, Ziegen füttern, melken, auch mal Hühner schlachten (diese Stellen im Roman sind also authentisch), mittags zurück zur Arbeit an den Schreibtisch.
Ebookgemein.de:
Wie man Ihrer Vita entnehmen kann sind Sie ein Brieftaubenfan. Dazu haben Sie ebenfalls ein eBook mit Kurzgeschichten über Tauben veröffentlicht. Ein eher ungewöhnliches Thema. Wie viel Wahrheit steckt in den Geschichten? Sitzen Sie stundenlang im Taubenschlag? Können Sie die Taubensprache?
Barbara Krauß:
Die „Brieftaubengeschichten“ habe ich nur als Herausgeberin veröffentlicht: zunächst als Taschenbuch, dann auch als eBook. Die im Buch versammelten, schönsten Kurzgeschichten und Gedichte sind das Resultat zweier Schreibwettbewerbe zum Thema Brieftauben, die ich 2009 und 2010 veranstaltet habe – um einmal zu sehen, wie viel Wissen über diese faszinierenden Tiere tatsächlich noch in der (schreibenden) Bevölkerung schlummert. Brieftauben waren, wenn man so will, ja die ersten Postboten – die schnellsten allemal.
Je nachdem, wie die Geschichten von den Autor/innen angelegt wurden, steckt schon einiges an Wahrheit drinnen, aber auch sehr viel Phantasie: Ich denke da zum Beispiel an Iris Bergmann, die in ihrer futuristischen Kurzgeschichte „Über rotem Sand“ eine Brieftaube beschreibt, die auf dem Mars eine Nachricht überbringt! Da die beiden Schreibwettbewerbe so gut ankamen, habe ich aktuell einen dritten ausgeschrieben – wer Lust hat, kann teilnehmen.
„Stundenlang“ im Taubenschlag bin ich tatsächlich von Frühjahr bis Herbst, wenn die Zuchtsaison beginnt oder die Wettflüge stattfinden: zwei Stunden am Vormittag nehmen mich die gefiederten Freunde dann schon in Beschlag. Die Arbeit am Abend übernimmt mein Mann. Brieftauben sind, wie Hunde und Katzen auch, echte Haustiere, die ihren eigenen Charakter haben. Und wenn ich pfeife (wenn ich Futter bringe), wuseln sie alle um mich herum – dann verstehen sie mich am besten!
Ebookgemein.de:
Ihre Kreativität scheint keine Grenzen zu kennen. Neben den Romanen und Kurzgeschichten haben Sie kurzerhand ein Spiel zum Thema Brieftauben entwickelt. War das nur mal ein Experiment oder gibt es demnächst noch mehr interessante Spiele von Ihnen?
Barbara Krauß:
Ich bin derzeit noch damit beschäftigt, das erste Spiel zu verkaufen, aber Lust auf ein neues hätte ich schon...
Ebookgemein.de:
Sie haben einen eigenen Verlag gegründet und veranstalten Autorenwettbewerbe – warum?
Barbara Krauß:
Den Verlag habe ich gegründet, weil ich für den Verkauf des Brettspiels einen Gewerbebetrieb anmelden musste. Da stellte sich die Frage: wie nenne ich diese Firma? „Barbara Krauß Brettspiel-Vertrieb?“ Vertrieb allein war nicht richtig, denn ich hatte das Spiel ja auch erfunden, gestaltet und produzieren (drucken) lassen. Dies sind typische Verlagsarbeiten. Da inzwischen das Namensrecht für Einzelunternehmen gelockert wurde, durfte ich die Firma einfach Krauß Verlag nennen – was sehr praktisch ist, denn unter diesem Namen konnte ich dann auch das Taschenbuch vertreiben.
Die Autorenwettbewerbe sind entstanden, weil ich das Image der Brieftaube ein wenig aufpolieren wollte: Die meisten Menschen verwechseln sie immer noch mit Stadttauben (Haustauben), die auf den Fußgängerzonen herumschläppeln, und haben eine echte Brieftaube, die sehr viel größer und athletischer ist, noch nie gesehen, geschweige denn in der Hand gehabt.
Ebookgemein.de:
So viele Projekte, so viele Ideen – haben Sie auch noch Freizeit? Was machen Sie dann am liebsten?
Barbara Krauß:
Diese Frage ist schnell beantwortet: Ein klares Nein! Ich muss jede Woche zusehen, dass ich mit meiner laufenden Arbeit über die Runden komme. Was dabei – leider – auf der Strecke bleibt, ist das Lesen: von fremden Texten!
Ebookgemein.de:
„Schreiben Sie!“ ist eine Kurzgeschichte, die bereits auf meiner Wunschliste steht. Hier ein kurzer Einblick für unsere Leser: Textanfang:
"Sommerzeit, Urlaubszeit. Die Nachbarn fahren in Ferien. Und was tun Sie? – Sie haben sich das Besondere ausgedacht: Kreativurlaub! Sinnfindung! Sie bleiben zu Hause zum Schreiben! Während andere sich auf der Akropolis Hitzepickel holen, werden Sie Ihren ersten autobiographischen Roman verfassen!
Die ungläubigen Blicke der Abreisenden nehmen Sie großherzig als Huldigungen entgegen, winken den beiden Erwachsenen, vier Kindern und zwei Hunden samt vollbepacktem Caravan hinterher, froh, dass nun im Haus für fünf Wochen himmlische Ruhe herrschen wird, kehren voller Tatendrang zurück in Ihre Wohnung und betreten Ihre Speisekammer, die Sie zum Schreibzimmer erkoren haben (weil zu viel Komfort Ihre Schaffenskraft lähmt), feierlich und fast ein wenig gerührt..."
Frau Krauß, ist das Buch eine amüsante Geschichte oder doch ein Ratgeber für Nachwuchsautoren?
Barbara Krauß:
Es ist einfach eine kleine, amüsante Geschichte, in der ich meine langjährigen Erfahrungen mit dem literarischen Schreiben verarbeitet habe. Ganz klar eine „Lachnummer“, aber mit sehr viel Wahrheit (zum Spazierengehen an den Rhein geschickt wurde ich von einem Literaturkritiker tatsächlich...). Da „Schreiben Sie“ sehr kurz ist, habe ich, ganz aktuell, noch zwei weitere kurze Texte rund ums Schreiben angefügt und das Buchcover geändert – ich denke, es dauert zwei Tage, bis die neue Version auf Amazon heruntergeladen werden kann.
Ebookgemein.de:
Eine Frage interessiert unsere Leser und auch andere Autoren immer brennend: kann man mit der eigenen Vermarktung von eBooks und pBooks wirklich von den Einnahmen leben? Oder kommt man gar nicht drumherum auch Auftragsarbeiten z.B. im journalistischen Bereich zu übernehmen.
Barbara Krauß:
Schreiben wird durch die Bank schlecht bezahlt. Wer für Tageszeitungen schreibt (die nach gedruckten Zeilen, nicht nach dem zeitlichem Aufwand abrechnen), kommt auf einen Stundenlohn, der ganz klar im Niedriglohn-Sektor angesiedelt ist: Wenn die Redaktion zum Beispiel aus Platzgründen einen Bericht, für den man mit Ortstermin, Recherche und Schreiben rund 5 Stunden investiert hat, um die Hälfte kürzt, bekommt man plötzlich vielleicht keine 30, sondern nur noch 15 Euro für die gesamte Arbeit... Bei Fachzeitungen oder überregionalen Zeitungen sehen die Honorare schon etwas besser aus. Vom Bücherverkauf leben können immer nur wenige (ich gehöre noch nicht dazu).
Ebookgemein.de:
Wie schwer ist es, eigene Bücher zu vermarkten? Welche Tipps können Sie Nachwuchsautoren aus Ihrer Erfahrung heraus geben?
Barbara Krauß:
Als unbekannter Autor und „nur“ mit einem guten Text, einem neuen Ton, einer tollen Story, etc. tut man sich unendlich schwer! Ich hätte da ein gutes Rezept, halte mich allerdings selbst nicht daran: Man muss den Verlagen/den Lesern den SKANDAL mitliefern, sprich: Das Verkaufsargument! Wer in der Zeitung mit den 4 Buchstaben auftaucht, hat gute Chancen, auch ein Buch zu verkaufen, egal was drinsteht...
Das zweite Rezept, das einfacher zu realisieren ist: man muss gut vernetzt sein, um möglichst viele Leute in kurzer Zeit auf seine Bücher aufmerksam zu machen.
Liebe Frau Krauß, vielen Dank das Sie sich Zeit für uns genommen haben. Ich und die gesamte ebookgemein.de wünschen Ihnen viel Erfolg für die Zukunft und hoffen auf viele weitere erfrischende und überraschende Zeilen von Ihnen.
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